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Wolfgang Seidel

Wolfgang Seidel

Wolfgang Seidel (1943–2021)

Wolfgang Seidel war Formgestalter, Dozent und Künstler.

Sein Werk verbindet industrielle Gestaltung, freie Kunst und handwerkliche Erfahrung. In Malerei, Zeichnung und Skulptur suchte er nach klaren Formen und einer eigenständigen Bildsprache.

Über viele Jahre entstand ein vielschichtiges Werk, dass von Präzision, persönlicher Erfahrung und der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit Form und Material geprägt ist.

Vita

Wolfgang Seidel wurde 1943 in Chemnitz geboren.

Von 1958 bis 1961 absolvierte er eine Ausbildung zum Holzmodellbauer. Anschließend qualifizierte er sich berufsbegleitend weiter und schloss von 1970 bis 1974 ein Fernstudium an der Ingenieurschule für Maschinenbau Breitenbrunn als Ingenieur für Technologie im Maschinenbau ab.

Von 1976 bis 1981 studierte er im Fernstudium an der Hochschule für industrielle Formgestaltung Burg Giebichenstein in Halle.1980 erwarb er den Abschluss als Diplom – Formgestalter.

Als Gestalter entwickelte Wolfgang Seidel zahlreiche Produckte für den industriellen Alltag. Zu seinen bekanntesten Entwürfen gehört die Seifendose mit Filmschanier, für die er das Urheberrecht erhielt. Weitere Arbeiten entstanden unter anderem für den VEB Plaste Wolkenstein, wo er von 1981 bis 1991 als Chefgestalter tätig war. 

Nach der politischen Wende arbeitete er freiberuflich unter anderem für die Firma Solan- Sonnenschutz GmbH in Neukirchen. 

Von 1993 bis 2008 war er Dozent für die Grundlagen von Form und Farbe und bildete dort Gestalterinnen und Gestalter im Handwerk aus.

2003 sowie 2012 und 2013 nahm er an Steinbildhauerkursen im Campo dell“ Altissimo ( Italien) teil. Parallel dazu widmete er sich zunehmend der freien Kunst. In diesen Jahren entstanden zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen.

Seine Arbeiten wurden unter anderem in folgenden Ausstellungen gezeigt:

2015 und 2016 Amtsgericht Freiberg

2017 und 2019 Musikschule Flöha

Schauspielhaus Chemnitz

2020 Volkskunstschule Oederan

Wolfgang Seidel verstarb 2021  in Chemnitz

Wolfgang Seidel verband industrielle Formgestaltung, handwerkliche Ausbildung und freie Kunst auf besondere Weise. Sein Werk steht beispielhaft für eine Generation von Gestaltern, die sowohl für die Designgeschichte der DDR als auch die kulturelle Entwicklung der Region Chemnitz geprägt haben. 

Sein werk

Studienarbeiten Burg Giebichenstein

Die Studienarbeiten geben Einblick in die gestalterische Ausbildung an der Burg Giebichenstein.

Bereits hier wird ein Denken sichtbar, das Form nicht als Doktrin versteht, sondern als Ergebnis von Beobachtung, Funktion und gestalterische Klarheit.

Formgestaltung in der Industrie

Die Arbeiten zeigen Wolfgang Seidels Verständnis von Gestaltung als Verbindung von Funktion, Material und Verantwortung.

Seine Entwürfe stehen für eine Formgestaltung, die auf Gebrauchswert, Langlebigkeit und konstruktive Klarheit ausgerichtet ist.

Landschaftsmalerei

   

Akt

Die Aktstudien zeigen Wolfgang Seidels Auseinandersetzung mit Form, Bewegung und menschlicher Präsenz.

Der Körper wird nicht idealisiert, sondern als Ausdruck von Haltung, Spannung und Beziehung verstanden. Viele dieser Arbeiten bilden die Grundlage für seine späteren Skulpturen. 

Porträt

Wolfgang Seidel interessierte weniger die äußere Ähnlichkeit als der Mensch hinter dem Gesicht.

Seine Porträts suchen nach Ausdruck, Charakter und persönlicher Präsenz. Zeichnung und Malerei werden dabei zu Mitteln der Annäherung an Persönlichkeit und Lebensgeschichte.

Skulptur

Für Wolfgang Seidel war die Arbeit am Stein ein Dialog mit dem Material.

Seine Skulpturen suchen nicht nach Perfektion, sondern nach einer klaren Form. Spuren der Bearbeitung bleiben bewusst erhalten und erzählen vom Entstehungsprozess

Die Dinge des Alltags neu gesehen

Stillleben nehmen im Werk von Wolfgang Seidel eine eher zurückhaltende, gerade deshalb aber interessante Stellung ein. In ihnen richtet sich der Blick auf Dinge, die uns selbstverständlich umgeben: Gefäße, Früchte, eine Flasche, ein Glas, Bücher oder eine Zeitung. Aus dem Alltäglichen entstehen konzentrierte Bildräume, in denen Wolfgang Seidel Form, Farbe und Anordnung immer wieder neu untersucht.

Dabei folgt er keiner einheitlichen Darstellungsweise. Eine gezeichnete Komposition aus Gefäß, Schale und Früchten bleibt leicht und transparent. Konturen bestimmen den Aufbau, einzelne Farben setzen Akzente, während große Teile des Papiers sichtbar bleiben. Das Motiv scheint beinahe aus wenigen Beobachtungen zusammengesetzt.

Ganz anders begegnet uns das Stillleben mit Flasche, Glas, Aschenbecher, Zeitung und Büchern. Die Gegenstände sind dicht in den Bildraum gestellt. Vertikale und diagonale Linien bestimmen die Komposition, während gedämpfte Farbflächen eine ruhige, beinahe abgeschlossene Atmosphäre entstehen lassen. Ein gewöhnlicher Moment wird zum Bild.

Auch dort, wo Wolfgang Seidel Figuren und Gegenstände miteinander verbindet, verändert sich die Funktion des Stilllebens. Architektur, Straßenraum und menschliche Begegnung treten neben eine markante Laterne, deren Form die gesamte Komposition ordnet. Gegenstand und Umgebung werden nicht isoliert betrachtet, sondern Teil einer erzählerischen Szene.

Gerade diese Unterschiede machen die Werkgruppe interessant. Wolfgang Seidel scheint nicht nach einer festen Formel für das Stillleben zu suchen. Er nutzt die Dinge vielmehr, um Beziehungen im Bild herzustellen: zwischen groß und klein, Fläche und Linie, Nähe und Distanz, Ruhe und Bewegung.

Dabei zeigt sich erneut sein gestalterischer Blick. Gegenstände werden vereinfacht, Proportionen verändert und Farben nicht allein nach ihrem natürlichen Vorbild eingesetzt. Entscheidend ist, wie die einzelnen Elemente innerhalb der gesamten Komposition miteinander funktionieren.

So erzählen Wolfgang Seidels Stillleben auch von einer besonderen Form der Aufmerksamkeit. Was im Alltag leicht übersehen wird, erhält im Bild einen eigenen Stellenwert. Ein Glas, eine Flasche, eine Schale oder ein Stück Obst werden aus ihrem gewöhnlichen Zusammenhang herausgelöst und neu betrachtet.

Die Stillleben von Wolfgang Seidel machen aus dem Vertrauten etwas Sehenswertes. Sie zeigen, dass ein künstlerischer Blick nicht unbedingt das Außergewöhnliche braucht – manchmal genügt es, die gewöhnlichen Dinge anders zu sehen.

Zwischen Beobachtung, Charakter und freier Form

Tiere bilden im Werk von Wolfgang Seidel eine eigenständige, vielfältige Motivgruppe. Hunde, Pferde, Hühner und andere Tiere erscheinen als Einzelporträts, in Gruppen oder in Bewegung. Dabei interessiert Wolfgang Seidel nicht allein ihre naturgetreue Wiedergabe. Haltung, Bewegung und charakteristische Merkmale werden zum Ausgangspunkt seiner Gestaltung.

In den Zeichnungen nähert sich Wolfgang Seidel den Tieren häufig über die Linie. Körperformen werden beobachtet, Bewegungen festgehalten und einzelne Merkmale hervorgehoben. Andere Arbeiten entwickeln sich stärker aus der Farbe und lösen die natürliche Erscheinung zunehmend auf.

Besonders deutlich wird dabei seine Freude an der Variation. Dasselbe Motiv kann genau beobachtet, malerisch frei behandelt oder in einzelne geometrische Farbflächen zerlegt werden. Wolfgang Seidel verändert Form und Ausdruck, ohne dass der Charakter des Tieres verloren geht.

So zeigen die Tierdarstellungen eine weitere Seite seiner Arbeitsweise: Genaues Hinsehen und gestalterische Freiheit gehören für Wolfgang Seidel zusammen. Das Tier ist nicht nur Motiv, sondern Anlass, Linie, Farbe, Bewegung und Form immer wieder neu zu erproben.

Vom Gegenstand zur freien Form

In seinen abstrakten Arbeiten untersucht Wolfgang Seidel, wie weit sich das Sichtbare vereinfachen, zerlegen und neu ordnen lässt. Ausgangspunkt können Menschen, Landschaften, Architektur oder räumliche Situationen sein. Das Motiv bleibt teilweise erkennbar, verliert jedoch zunehmend seine gewohnte Form.

Figuren werden zu Umrissen und Farbflächen, Landschaften zu einem Gefüge aus Linien und geometrischen Formen, Räume zu klar gegliederten Kompositionen. In anderen Arbeiten genügt bereits eine einzelne Silhouette oder das Verhältnis weniger Flächen zueinander.

Dabei zeigt sich Wolfgang Seidels gestalterisches Denken besonders deutlich. Farbe, Linie, Fläche und Komposition werden zu eigenständigen Mitteln. Kräftige Kontraste stehen neben zurückgenommenen Farbtönen, organische Formen neben geometrischer Ordnung, große ruhige Flächen neben kleinteiligen Strukturen.

Die Abstraktion ist für Wolfgang Seidel damit weniger ein festgelegter Stil als eine Möglichkeit, ein Motiv neu zu untersuchen. Er reduziert das Gesehene auf seine wesentlichen Formen und entwickelt daraus eine eigene bildnerische Ordnung.

Farbe als Experiment und gestalterisches Denken

Farbe war für Wolfgang Seidel nicht allein ein Mittel, um Dinge abzubilden. Bereits während seiner Ausbildung setzte er sich damit auseinander, wie Farbe wirkt, wie sie sich verändert und welche Beziehungen entstehen, wenn unterschiedliche Farbtöne, Helligkeiten und Sättigungen aufeinandertreffen.

Seine Farbstudien geben Einblick in diesen Prozess des Sehens und Erprobens. Manche Arbeiten folgen klaren Ordnungen und geometrischen Strukturen. Flächen werden wiederholt, Farben gegeneinandergesetzt und ihre Wirkung innerhalb eines festen Systems untersucht. Andere Studien lösen sich von dieser Strenge und öffnen die Fläche für einen freieren Umgang mit Material und Farbe.

Gerade dieses Nebeneinander ist aufschlussreich. Ordnung und Experiment stehen bei Wolfgang Seidel nicht im Widerspruch. Die systematische Untersuchung einer Farbbeziehung kann ebenso Ausgangspunkt seiner Gestaltung sein wie das unmittelbare Arbeiten mit der Oberfläche.

In den Studien wird Farbe deshalb nicht nur ausgewählt, sondern miteinander verglichen und in Beziehung gesetzt. Ein Farbton verändert sich durch seine Umgebung. Kontraste entstehen, Flächen treten hervor oder zurück, Wiederholungen erzeugen Rhythmus. Was zunächst wie eine einfache Übung erscheinen kann, macht grundlegende Fragen der Gestaltung sichtbar.

Dabei entstehen Arbeiten von erstaunlicher Eigenständigkeit. Besonders die seriellen Entwürfe zeigen, wie aus einem wiederkehrenden Formelement durch unterschiedliche Farbkombinationen immer neue Wirkungen hervorgehen können. Die Form bleibt – und dennoch verändert Farbe den gesamten Charakter einer Komposition.

Die Farbstudien erlauben damit einen besonderen Blick auf Wolfgang Seidel: auf den ausgebildeten Gestalter, der Wirkung nicht dem Zufall überlässt, sondern untersucht, vergleicht und Varianten entwickelt. Gleichzeitig zeigen sie seine Bereitschaft, innerhalb einer Aufgabe unterschiedliche Möglichkeiten auszuprobieren.

Dieses Denken reicht über die Studienzeit hinaus. Die intensive Beschäftigung mit Farbwirkung, Kontrast, Fläche und Komposition begegnet in unterschiedlichen Formen auch in seinem späteren künstlerischen Werk wieder. Was in den Studien zunächst untersucht und erprobt wird, gehört damit zu einem gestalterischen Fundament, auf das Wolfgang Seidel immer wieder zurückgreifen konnte.

Die Farbstudien erzählen deshalb nicht nur von einer Ausbildungsphase. Sie lassen uns einem Gestalter beim Denken zusehen. Aus Farbe wird Beziehung, aus Wiederholung Variation und aus einer gestellten Aufgabe die Suche nach einer eigenen Lösung.

Zwischen Naturbeobachtung und innerer Landschaft

Blumen begleiten das künstlerische Werk Wolfgang Seidels in sehr unterschiedlichen Formen. Doch nur selten geht es ihm um das naturgetreue Abbild einer Pflanze. Vielmehr wird das Florale zum Ausgangspunkt für eine Auseinandersetzung mit Farbe, Bewegung, Atmosphäre und Wahrnehmung.

Mal erscheinen Blüten eingebettet in eine weitläufige, beinahe landschaftliche Komposition. Türkis, Grün, Rot und Orange bilden große Farbräume, zwischen denen sich Mohnblüten und andere florale Formen behaupten. An anderer Stelle rücken einzelne Blüten ganz nah an den Betrachter heran. Ihre Konturen bleiben offen, die umgebenden Gräser werden zu bewegten Linien, und aus der beobachteten Natur entsteht ein Bild voller Rhythmus.

Gerade darin zeigt sich eine für Seidel charakteristische Arbeitsweise. Er hält nicht am
sichtbaren Gegenstand fest, sondern entwickelt ihn weiter. Formen werden vereinfacht,
Farben gesteigert, Konturen aufgelöst. Das Motiv bleibt erkennbar und beginnt gleichzeitig, sich von seiner gegenständlichen Herkunft zu lösen.

Besonders eindrücklich wird dieser Übergang dort, wo eine einzelne Blütenform zum Zentrum einer nahezu abstrakten Komposition wird. Farbe und Linie strömen vom Mittelpunkt nach außen, verdichten sich und lösen sich wieder auf. Aus der Blume entsteht ein pulsierender Bildraum. Das Florale ist hier nicht mehr allein Motiv – es wird zu Bewegung, Energie und Licht.

So zeigen Wolfgang Seidels Blumenbilder keine einheitliche Handschrift im Sinne einer
wiederkehrenden Darstellung. Gerade ihre Verschiedenheit macht sie interessant. Sie lassen erkennen, wie ein Künstler ein vertrautes Motiv immer wieder neu befragt: Was bleibt von einer Blume, wenn Farbe wichtiger wird als ihre genaue Form? Wann wird Natur zur Komposition? Und an welchem Punkt beginnt aus Beobachtung eine eigene
Bildwirklichkeit zu entstehen?

Die sichtbaren Spuren des Arbeitsprozesses gehören dabei zum Charakter dieser Werke.
Überlagerungen, offene Linien, kräftige Farbsetzungen und scheinbar beiläufige Gesten lassen die Bilder lebendig. Nichts wirkt vollkommen abgeschlossen oder geglättet. Die Arbeiten bewahren etwas vom Augenblick ihrer Entstehung.

Vielleicht liegt gerade darin ihre besondere Wirkung. Wolfgang Seidel malt Blumen nicht als schmückendes Beiwerk. Er nutzt sie als künstlerischen Freiraum. Zwischen Naturbeobachtung und Abstraktion entstehen Bilder, die Vertrautes erkennen lassen und zugleich genügend Offenheit besitzen, damit jeder Betrachter seinen eigenen Zugang finden kann.

Florales wird bei Wolfgang Seidel damit zu mehr als einem Genre. Es erzählt von seinem
Blick auf die Welt – von der Freude an Farbe, vom genauen Beobachten und von der
Freiheit, aus dem Gesehenen etwas Eigenes entstehen zu lassen.

Beobachtung unterschiedlicher Lebenswelten

Religion wird für Wolfgang Seidel zum Anlass, Menschen, ihre äußere Erscheinung und unterschiedliche kulturelle Lebenswelten zu beobachten. Kleidung, Verhüllung, Körperhaltung und Begegnung werden dabei zu wesentlichen Elementen seiner Bildsprache.

Wolfgang Seidel übernimmt das Gesehene nicht einfach. Er reduziert Figuren auf klare Formen, verändert Proportionen und arbeitet mit starken Farbflächen und Kontrasten. Weiß, Schwarz, Blau oder Orange strukturieren die Bilder und geben den Figuren eine beinahe zeichenhafte Präsenz.

Im Mittelpunkt steht dabei immer wieder der Mensch. Wolfgang Seidel nähert sich religiös geprägten Lebensformen über das Sichtbare und übersetzt seine Beobachtungen in eine eigene, stark vereinfachte Bildsprache.

Die Arbeiten zeigen damit vor allem eines: Wolfgang Seidels Interesse an Menschen, ihren Lebensformen und einer Welt, die er aufmerksam beobachtet und gestalterisch verarbeitet.

Zwischen Macht, Flucht und gesellschaftlicher Wirklichkeit

In seinen sozialkritischen Arbeiten setzt sich Wolfgang Seidel unmittelbar mit politischen und gesellschaftlichen Ereignissen seiner Gegenwart auseinander. Flucht und Migration, Krieg und Gewalt, Machtpolitik, religiöser Fundamentalismus, wirtschaftliche Interessen und gesellschaftliche Gegensätze werden zu wiederkehrenden Themen.

Dabei verbindet Wolfgang Seidel konkrete Zeitbezüge mit einer stark vereinfachten, symbolischen Bildsprache. Menschen, politische Akteure, Flaggen, Waffen, Geld, Schiffe oder Stadtarchitekturen werden aus ihren gewohnten Zusammenhängen gelöst und zu neuen Szenen zusammengesetzt. Schrift und einzelne Begriffe werden teilweise unmittelbar Bestandteil des Bildes.

Besonders eindringlich beschäftigt Wolfgang Seidel die Situation von Menschen auf der Flucht. Sie erscheinen zwischen Mauern und Städten, auf gefährlichen Wegen oder inmitten eines aufgewühlten Meeres. Ihnen gegenüber stehen politische Macht, Grenzen und eine Welt, in der Entscheidungen über das Schicksal anderer Menschen getroffen werden. In einer Arbeit von 2017 nennt Wolfgang Seidel politische Akteure sogar ausdrücklich beim Namen und verbindet sie mit dem wiederholten Ruf „SOS“.

Auch kulturelle und religiöse Konflikte finden Eingang in diese Werkgruppe. Wolfgang Seidel beobachtet unterschiedliche Lebenswelten und setzt sich mit Fanatismus, Gewalt und gesellschaftlicher Fremdheit auseinander. Dabei entstehen keine dokumentarischen Abbilder. Die Bilder verdichten reale Konflikte zu persönlichen Stellungnahmen.

Auffällig ist die zunehmende Direktheit dieser Arbeiten. Perspektiven verschieben sich, Figuren und Größenverhältnisse folgen nicht mehr einer realistischen Ordnung. Wolfgang Seidel reduziert, überzeichnet und kombiniert. Gerade diese formale Unruhe verstärkt die politische Unruhe der dargestellten Welt.

Die sozialkritischen Arbeiten zeigen Wolfgang Seidel als aufmerksamen Beobachter seiner Zeit. Sie geben keine einfachen Antworten. Sie machen sichtbar, was ihn beschäftigt und beunruhigt: die Verletzlichkeit des Menschen gegenüber politischen Entscheidungen, Gewalt und gesellschaftlichen Veränderungen.

Wolfgang Seidel malt hier nicht aus Distanz. Er reagiert auf eine Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Nachlass

Der Nachlass bewahrt die künstlerischen und gestalterischen Arbeiten von Wolfgang Seidel sowie die Geschichten, Erfahrungen und Zusammenhänge, die mit ihnen verbunden sind. 

Er bildet die Grundlage für Forschung, Dokumentation und die öffentliche Vermittlung seines Lebenswerks.

Spätwerk

Das Spätwerk dokumentiert die letzten Jahre von Wolfgang Seidels künstlerischem Schaffen.

Die Arbeiten spiegeln Veränderungen in Wahrnehmung und Ausdruck wieder und bilden einen wichtigen Teil seines Lebenswegs. Sie ergänzen das Gesamtbild eines Werkes, das bis zuletzt nach der Suche nach gestalterischem Ausdruck war.